Wolfram Marx
Bevor ich ein Schulkind wurde, wollte ich erst Schauspieler und später Rechtsanwalt werden. Denn ich wollte wie meine Helden sein – mit Degen und Worten für Gerechtigkeit kämpfen. Doch statt im Gerichtssaal oder auf der Kinoleinwand findet man mich, wie viele andere auch, im Internet. Dieses Internet hat mich schon früh fasziniert. Das erste Mal habe ich von ihm 1993 von einem Informatikstudenten gehört, der sich Momo nannte. Er erzählte mir eines Sommerabends, dass er gerade seine Emails abrie
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Den Tod zu überwinden, hieße die Erde am Kreisen zu hindern.
Wenn immerzu Milch und Honig flössen, welchen Wert hätten sie dann noch? Wenn mir nichts und niemand mehr passieren könnte, welches Abenteuer gäbe es dann noch für mich? Wie selbstsüchtig und größenwahnsinnig müßte ich sein, um unsterblich sein zu wollen? Nur wer begreift, wie flüchtig das Leben ist, weiß es in seiner Gänze zu schätzen. Die Zeit, die uns bemessen ist, wer kennt ihre Spanne und we…
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Die Kunst der Schraffur ist der Ausgleich zwischen Waagerecht und Senkrecht.
Im Leben geht es stets um Gleichgewicht. Das System, dessen Gleichgewicht in einem seiner Teile auf Dauer gestört wird, wird zugrunde gehen. Der Mensch an sich ist ein Meister im Stören des Gleichgewichts. Und das in allen Bereichen des Lebens. Ob es sich dabei um seinen Nächsten oder um seine Spezies oder um seine künstlich oder natürlich gewachsene Umwelt handelt, spielt keine Rolle. So vernicht…
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Jener, welcher die Grenze verschiebt, kennt deren Abgrund nicht.
Es gibt einen Witz darüber, wie ein Mathematiker einen Löwen fängt. Der Mathematiker baut einen Käfig, setzt sich hinein und sagt: „Ich definiere, hier drin ist draussen.“. So künstlich uns manche Grenzen erscheinen mögen, sind sie doch eine kosmische Grundbedingung. Denn wo eine Sonne ist, kann keine zweite sein und unter Wasser lebt es sich anders als über Wasser. Selbst das Revier eines Löwen h…
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Die Welt mit den Augen eines Kindes zu sehen, heißt, sie zu begreifen, ohne sie verstehen zu müssen.
Lange bevor Kinder erwachsen werden und sich die Welt primär über ihren Verstand erschließen, begreifen sie die Dinge im Wortsinn mit ihren Händen, um einen Eindruck von ihnen zu bekommen. So oberflächlich dieser Unterschied zu sein scheint, so tiefgreifend ist er doch. Denn Kinder begreifen die Welt zuallererst mit ihrer Seele. „Man sieht nur mit dem Herzen. Das Wesentliche ist für die Augen uns…