Jener, welcher die Grenze verschiebt, kennt deren Abgrund nicht.
Gedanken über Grenzverschiebungen und deren Folgen
Es gibt einen Witz darüber, wie ein Mathematiker einen Löwen fängt. Der Mathematiker baut einen Käfig, setzt sich hinein und sagt: „Ich definiere, hier drin ist draussen.“.
So künstlich uns manche Grenzen erscheinen mögen, sind sie doch eine kosmische Grundbedingung. Denn wo eine Sonne ist, kann keine zweite sein und unter Wasser lebt es sich anders als über Wasser. Selbst das Revier eines Löwen hat genaue Grenzen.
So offensichtlich uns viele Grenzen erscheinen mögen, so unabsehbar sind für uns die Folgen ihrer Verschiebung. So stellt sich mir unmittelbar die Frage: Welche Grenzverschiebung führt zum Klimawandel? Und ist diese Verschiebung umkehrbar?
Keine Grenzverschiebung ist umkehrbar, ohne dass die Übertretung der Grenze Spuren hinterläßt. Jemand, der mir zu nahe gekommen ist, mag sich entschuldigen, das unangenehme Gefühl aber wird im Gedächtnis bleiben.
Grenzen sind vor allem Eines: Kopfsache. Der Mensch ist in der Lage unter Wasser, in der Wüste und im ewigen Eis zu leben. Er schafft es, in Berlin auf einer Fläche von knapp 900 km2 mit fast vier Millionen anderen Menschen koordiniert zu leben. Man bedenke, wieviele Grenzen es allein in dieser Stadt gibt. Und diese sind alle künstlicher respektive kultureller Natur.
Doch was ist mit den Grenzen, die einst waren, überschritten und überschrieben worden sind? Die Grenze, welche der Eiserne Vorhang markierte, gibt es seit mehreren Jahrzehnten nicht mehr. Und doch ist sie allgegenwärtig. Beständig, sagt man, sei nur die Veränderung. Doch gilt das auch für Grenzen? Grenzen mögen permanent neu gezogen werden. Doch was ist mit den Spuren, die sie in uns hinterlassen?